TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 27. August 2015 von Florian Madl – Der Bumerang-Effekt

Innsbruck (OTS) – Das Fußball-Westderby zwischen Austria Salzburg und Wacker Innsbruck soll morgen aufgrund der Fan-Problematik unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Die Bundesliga verlagerte das Problem, weil sie es zuvor nicht gelöst hatte. Tiroler und Salzburger Fan-Busse, so viel steht nach jüngsten Informationen fest, werden morgen in Schwanenstadt eintreffen. Zu einem Geisterspiel, das vor leeren Tribünen stattfindet. Um Fußball geht es einigen aus den beiden rivalisierenden Lagern dabei ohnehin nicht, vielmehr um archaisch anmutenden Faustkampf. Josef Geisler, Präsident des Tiroler Fußballverbands, betitelte das Verhalten einiger Wacker-Anhänger nicht zuletzt deshalb als “Fan-Unkultur”. Das trifft auf unverbesserliche Trittbrettfahrer fraglos zu, deren Ausraster wie Becher- und Feuerzeugwürfe den Verein alljährlich einen fünfstelligen Betrag und daneben Renommee kosten. Der feine Unterschied zum Rivalen Austria Salzburg, morgen Gastgeber des Fußball-Westderbys: In Innsbruck verfügt man über die Infrastruktur, um die Situation besser kontrollieren zu können. Die Austria aus Salzburg indes weicht behelfsmäßig in die Wald-und-Wiesen-Arena von Schwanenstadt aus, während sie ihr eigenes Stadion (nahe eines Wohngebiets in Maxglan!) erneuert. Dass man als Gastmieter nach Ober- österreich ausweichen muss, hat seine Gründe: Die Violetten werden weder von Grödig noch von Red Bull Salzburg in ihrem Oval akzeptiert – das Auftreten gewaltbereiter Austria-Fans in der Vergangenheit war nicht vertrauenbildend. Wie konnte nun die für den Ligabetrieb verantwortliche Fußball-Bundesliga im Wissen um die anhaltende Fan-Problematik deren Stadionsituation genehmigen? Bis hin zur Anzahl der Fahnenmasten (5 pro Stadion) und der Sitztoiletten regelt das Gremium in seinen Bestimmungen die Infrastruktur. Wenn es allerdings darum geht, die Sicherheit der Zuschauer zu gewährleisten, versagt die Institution. Ein heimlicher Verlierer der laufenden Debatte rund um das Bundesliga-Westderby heißt Wattens, im vergangenen Jahr als Vizemeister der Regionalliga West hinter Austria Salzburg nicht aufstiegsberechtigt. Im Gernot-Langes-Stadion wurden nämlich alle Lizenzauflagen (mit Ausnahme des Fernsehturms und des Pressebereichs) umgehend erfüllt, dem Zweitplatzierten wäre das Aufstiegsrecht in die zweithöchste Spielklasse der WSG zugestanden. Die Bundesliga akzeptierte das Salzburger Konzept im zweiten Anlauf, doch bei allem Respekt vor diesem sportlichen Entscheid: Wer seine Hausaufgaben nicht erfüllt, kommt für höhere Weihen nicht in Fragen. Wie ein Bumerang wird das Problem Austria Salzburg die Bundesliga immer wieder einholen. Bereits am 23. Oktober gastiert Erzrivale LASK in Schwanenstadt.

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